“Neun Tage und ein Jahr” ist ein Titel aus dem Diana Verlag ,der in Verbindung mit dem Cover erst einmal für Nachdenken sorgt. Allein daraus lässt sich nicht ableiten worum es in diesem Buch geht. Der Klappentext macht jedoch deutlich, dass es sich um einen Roman mit Tiefgang handeln dürfte. Die große Liebe, eine schnelle Hochzeit und dann ein viel zu früher Tod – das alles sind Grundsteine für einen Roman, der den Leser nicht unberührt lassen soll.

Eine große Liebe und eine besondere Freundschaft
Elsie weiß: Ben ist ihre große Liebe, und so sagt sie Ja, als er nur ein halbes Jahr nach der ersten Begegnung um ihre Hand anhält. Doch neun Tage nach der Hochzeit kommt Ben bei einem Unfall ums Leben. Erschüttert von ihrem Verlust steht Elsie im Krankenhaus Bens Mutter Susan gegenüber – die bisher nichts von ihrer Schwiegertochter wusste. Was mit einem Zusammentreffen voller Ablehnung beginnt, wird die beiden ungleichen Frauen für immer verändern.

Der Einstieg in den Roman ist gut gewählt. Er beginnt einerseits irgendwie mittendrin, gleichzeitig umfasst er auch eines der Schlüsselereignisse des Romans: Ben stirbt bei einem Unfall. Elsie gibt sich die Schuld daran, da nur wengen ihr unterwegs ist und fällt in ein tiefes Loch. Doch bevor es soweit ist, kommt zunächst ein einleitendes Zitat, welches nicht nur hervorragend zum Buch passt, sondern auch unabhängig davon einfach berührend ist.

“Jeden Morgen, wenn ich aufwache, vergesse ich für den Bruchteil einer Sekunde, dass du nicht mehr da bist, und strecke die Hand nach dir aus. Jedes Mal fühle ich nur das kalte Laken. Dann fällt mein Blick auf unser Bild auf dem Nachttisch. Das aus Paris. Und ich bin überglücklich, dass ich dich geliebt habe und das du mich geliebt hast. Wenn auch nur für kurze Zeit.”
Internetposting auf Craigslist.org, Chicago, 2009

Schon nach diesem Zitat hat mich das Buch gepackt gehabt. Es versprach Tiefgang und viel Gefühl. Wer die Bücher hier verfolgt, der weiß, dass dies genau mein Geschmack ist – neben der leichtfüßigen Fantasy und Jugendbüchern 😉 Schade ist, dass im Vergleich zu diesem Zitat der Einstieg in die eigentliche Handlung dann fast schon oberflächlich erscheint. Zumindest konnte ich die gefühlsträchtige Brücke hier nicht wirklich finden. Das war zunächst etwas enttäuschend, da die Erwartung durch das anfängliche Zitat doch etwas angehoben wurde. Aber man sollte wohl nicht vergessen, dass Zitate und eigentlicher Inhalt zwar miteinander zusammenhängen, aber nicht zwingend die gleiche Wirkung haben müssen 😉

Wie dem auch sei, lesen musste ich dieses Buch unbedingt und die ersten Seiten bestätigten dieses Gefühl nur. Der Schreibstil ist herrlich leicht und wunderbar flüssig. Dadurch fliegen die Seiten nur so dahin und ehe ich mich versah, waren die ersten knapp 100 Seiten bereits vorbei. Elsie muss einen schweren Schicksalsschlag verarbeiten und wäre das nicht schon genug, so muss sie sich auch mit ihrer Schwiegermutter auseinandersetzen. Das Problem dabei: Diese wusste bisher nicht einmal, dass ihr Sohn verheiratet ist und kenn Elsie entsprechend nicht.

Ich kenne Sie nicht, und Sie kommen hierher und wollen mir erzählen, was ich mit den sterblichen Überresten meines einzigen Kindes tun soll? Verschonen Sie mich. Ernsthaft. Sie sind eine Randbemerkung im Leben meines Sohnes. Ich bin seine Mutter.
Zitat Seite 111/112

Die Autorin hat es geschafft die verschiedenen Figuren während der eigenen Erzählung zu beleuchten. Jede für sich wird dem Leser so über das gesamte Buch hinweg vorgestellt und während sich die Figuren gegenseitig besser kennenlernen, erfährt auch der Leser immer mehr über sie. Sehr schön finde ich dabei, dass auch Ben nicht zu kurz kommt. Der Roman ist so aufgebaut, dass sich aktuelle Ereignisse und Einblicke in die Beziehung von Elsie und Ben abwechseln. So erhält man als Leser einen guten Eindruck von der gesamten Geschichte ohne ständig aus selbiger herausgerissen zu werden.

Zum ersten Mal, seit Ben tot ist, sehe ich aus wie eine Witwe. Zum ersten Mal habe ich das Gefühl, die Person im Spiegel zu erkennen. Da bin ich, gramgebeugt und verletzt. Verwitwet. Es ist eine große Erleichterung, mich so zu sehen.
Zitat Seite 152

Auch wenn es sich “Neun Tage und ein Jahr” um ein ernstes Thema dreht und ich muss gestehen, ich hatte mehr als nur einmal Tränen in den Augen, so ist es auch ein wunderbares Buch zum Entspannen. Der lockere Schreibstil sorgt für angenehmes Lesen. Hier muss der Leser nicht lange über das Geschriebene nachdenken. Er kann sich einfach fallen und treiben lassen. Ein wunderbares Buch also, dass ich auch für den Urlaub empfehlen würde. Einziges Manko, das mich teilweise etwas störte: Die Erzählung wirkte mitunter etwas langwierig. Dadurch zogen sich einige Geschehnisse manchmal gefühlt zu sehr in die Länge. Insgesamt vergebe ich für “Neun Tage und ein Jahr” sehr gute 4 Sterne und sage euch: Lest es und entscheidet selbst, mir hat dieses Buch jedenfalls sehr gefallen 🙂

Wird es mit der Zeit leichter? Vielleicht. Vielleicht auch nicht.
Zitat Seite 201

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