Heute nun ist es Zeit für den angekündigten Themenbeitrag zum neuen Buch von Johannes Groschupf – Der Zorn des Lammes. Bereits vor einigen Tagen hatte ich das Buch ja rezensiert. Heute nun steht nur bedingt das Buch im Vordergrund und die Themen bzw. Charaktere sollen einmal genauer betrachtet werden.

Neben mir haben sich auch verschiedene andere Blogger mit den Themen des Buches auseinander gesetzt. Insbesondere Milan steht dabei im Vordergrund, denn er ist in “Der Zorn des Lammes” der Täter. Aber ist er das wirklich? Ich habe mir Jazz einmal genauer angesehen.

Sie ist eine junge Frau mit einer schwierigen Vergangenheit, die aus ihrem Elternhaus auszieht um Abstand zu gewinnen. Zu einem gewissen Teil läuft sie vor ihrer Verganheit auch weg – zumindest ist dies die Absicht, die sich auch in der großen Entfernung zwischen ihrem Heimatort und Berlin zeigt. Es gelingt ihr allerdings nur bedingt wirklich Abstand zu bekommen – teils durch ihre eigenen Schuldgefühle und teils durch die regelmäßigen Telefongepräche mit ihrer Mutter, die alles immer wieder neu aufwühlen.

Was ist passiert?

Vor zehn Jahren ist Vincent, mein kleiner Bruder, beim Schwimmen in der Elbe ertrunken, und ich war dabei. Ich war auch klein, damals. Acht Jahre alt. Trotzdem war ich seine große Schwester und hätte auf ihn aufpassen müssen. Er war erst sechs. Ich war damit beschäftigt, eine Burg aus dem Elbmatsch zu bauen, mit Wassergräben und einem Innenhof. Als ich aufschaute, war Vincent nicht mehr da. Ich habe nach ihm gerufen. Dann habe ich seine Hände gesehen, die auf das Wasser schlugen. Und seinen Kopf. Er verschwand und tauchte wieder auf und ging wieder unter. Vincent war schon ziemlich weit abgetrieben, die Elbe hat dort wirklich eine starke Strömung. Ich durfte nicht ins Wasser wegen meines schwachen Herzens, und meine Eltern waren nicht da.
Zitat Seite 7

Jazz ist noch sehr jung als sie mit dem Erlebnis des ertrinkenden Bruders fertigwerden muss. Ihre Eltern machen ihr keine Vorwürfe aber dennoch klingt dieser versteckt immer unter jeder Äußerung mit.

“Nein, du konntest nichts tun”, haben ie seitdem immer wieder gesagt. “Du hast ja ein schwaches Herz. Du konntest nichts tun, Jasmin.”
Zitat Seite 7

Auch wenn dies sicherlich die Verantwortung und Schuldgefühle auf ihren Schultern mindern sollte, so haben diese Worte kaum die richtige Wirkung. Selbst beim Lesen ist der stumme Vorwurf ihrer Eltern herauszulesen. “Du hättest es wenigstens versuchen können.” Genau das hat Jazz aber nicht getan. Damit und mit den ständigen Beteuerungen kann sie nur schwer leben und versucht durch den Umzug nach Berlin besser mit der Situation klar zu kommen. In ihrem Elternhaus dreht sich schon seit 10 Jahren vieles um den Tod ihres Bruders. Eine Therapie für sie oder ihre Eltern gab es anscheinend nicht.

Der Charakter Jazz

Jazz hat sich durch das Erlebnis aber auch durch die Verhaltensweisen ihrer Eltern zu einer sehr schüchternen jungen Frau entwickelt. Sie versucht möglichst unsichtbar zu sein und keinesfalls aufzufallen. Gleichhzeitig möchte sie es jedem recht machen und träumt von einem tollen Leben. Ihr Selbstbewusstsein ist sehr gering und sie leidet immer wieder unter Angstzuständen und Panikattaken, die sie ihrem schwachen Herzen zuschreibt. Vieles resultiert jedoch aus der Situation in ihrer Kindheit. Sie hat Angst davor erneut einen Fehler zu machen, der dann eventuell wieder so extreme Ausmaße hat. Sie ist überzeugt, sie hätte etwas unternehmen müssen um ihren Bruder zu retten, glaubt aber gleichzeitig auch, dass sie nichts hätte tun können.

Dennoch beweist Jazz Mut mit ihrem Umzug nach Berlin. Es ist eine große Stadt mit vielen Eindrücken und Einflüssen. Sie versucht sich mit dieser neuen Situation auf ihre Weise zurecht zu finden. Vielleicht ist sie gerade deswegen das ideale Opfer für Milan? Durch ihre stille, in sich gekehrte Art ist es einfacher etwas in ihre Verhaltensweisen hinein zu interpretieren was letzlich im Stalkingprozess endet.

Jazz Entwicklung im Buch

Jazz ist der Charakter, der in “Der Zorn des Lammes” die größte Entwicklung durchmacht. Während Milan auf der Stelle tritt und in alte Verhaltensmuster zurück verfällt, entwickelt sich Jazz zu einer starken Person. Sie hat nichts mehr gemein mit der schüchternen, jungen Frau zu Beginn des Buches. Dafür hat sie jedoch einiges durchleiden müssen und schafft diesen Sprung nur durch ihre Freunde und eine eher unsymphatische Kollegin (diese war für mich an der Stelle übrigens eine echte Überraschung).

Johannes Groschupf hat es geschafft den Prozess der Weiterentwicklung von Jazz Charakter im Buch thematisch zu verankern und als logische Konsequenz herauszustellen. Das hat übrigens einen Pluspunkt für die Sternebewertung in der Rezi gegeben 😉

Wenn ihr nun mehr zum Buch erfahren möchtet, dann empfehle ich euch die anderen Beiträge der teilnehmenden Blogger:

Psychose – Manjas Buchregal
Stalking – Lesen und Mehr
Haldol – Waldschrat’s Bücher- und Lehrerblog
Schein oder Sein – Bibilotta
Stalking – Schlunzenbücher
Liebeswahn – Kleine Bücherinsel
Apokalypse – Mel Bücherwurm

2 Replies to “Themenbeitrag: Der Zorn des Lammes

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