Dieses Buch ist eines der wenigen, dass schon optisch direkt mein Interesse weckte. Dabei ist es kein Cover, das von vielen Lesern aufgrund seines beeindruckenden Designs gelobt würde. Es machte mich neugierig, weil es einfach anders ist und irgendwie nichts verrät.

Er hat weder Handy noch Internet, und am liebsten sitzt er unter der alten Pappel in seinem Garten, lauscht der Natur und ist glücklich. Walter von Quant lebt seit dem frühen Tod seiner Frau Anna zurückgezogen auf dem Land. Das Weltgeschehen interessiert ihn nicht mehr, nur beim Frisör erfährt er ab und zu, was vor sich geht. Terror, Drogen, Fracking, Edward Snowden – irre und unheimlich kommt ihm vor, was er liest. Einmal im Jahr, an Annas Geburtstag, fährt er in die Stadt, um Freunde von früher zu treffen. Als er diesmal unterwegs ist, hilft er einer Frau, die im Regen gestürzt ist. Diese flüchtige Begegnung löst etwas in ihm aus, und als die Freunde davon hören, geben sie spontan eine Kontaktanzeige im Internet auf. Jemand antwortet tatsächlich – doch am Treffpunkt erscheint nicht die Frau aus dem Regen. Eine Geschichte über das unsichtbare Wirken der digitalen Welt und von ihrer Macht über das individuelle Leben.

Der Einstieg in den Roman von Ralph Dohrmann war für mich sehr ungewohnt. Der Schreibstil wirkt zunächst sehr abgehackt und ich brauchte mehrere Seiten um wirklich ins Buch zu kommen. Ist man jedoch erst einmal ins Geschehen eingetaucht, wird der etwas ungewöhnliche Schreibstil schnell zur Nebensache.

Besonders beeindruckt haben mich in diesem Roman die Charaktere, die in sich verschieden und bis in kleine Details ausgearbeitet sind. Dabei wird nicht alles offensichtlich vom Autor dargestellt und vieles offenbart sich nur zwischen den Zeilen. Auch im Nachhinein habe ich viel über dieses Buch nachgedacht, denn einiges zeigt sich erst nach dem Lesen.

Besonders ans Herz gewachsen sind mir schnell Walter und Kristina. Sie haben eine besondere Beziehung zueinander deren Entwicklung mich durch einen Großteil des Romans getrieben hat. aber auch unabhängig davon gibt es vieles, was einen Leser hier am Buch hält. In diesem Buch gibt es keine aufregenden Abenteuer oder blutig beschriebene Details. In “Eine Art Paradies” tragen die Protagonisten die Handlung und sorgen für einen packenden Spannungsbogen ohne dabei in Kitsch oder Klischee abzurutschen.

Ralph Dohrmann überzeugt in seinem Roman mit Stil und Tiefe wie ich sie bisher nur bei wenigen Büchern gefunden habe. Insgesamt vergebe ich daher mehr als verdiente 5 Sterne und eine unbedingte Leseempfehlung. Ihr mochtet John Williams “Stoner”? Dann solltet ihr diesen Roman in jedem Fall lesen!

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