Schon lange ist mir keine Rezension mehr so schwer gefallen wie diese. Das liegt allerdings nicht am Buch – obwohl, vielleicht schon irgendwie.

Schon immer war Caro das Lieblingskind ihres Vaters, doch seit einem großen Streit haben sie keinen Kontakt mehr. Nun steht die Goldene Hochzeit von Caros Eltern vor der Tür, aber wie soll Caro ihrem Vater gegenübertreten? Als arbeitslose, alleinerziehende Mutter fühlt sie sich von dem Mann, der nach dem Krieg seine Firma aus dem Nichts aufgebaut hat, nicht ernstgenommen. Erst durch ihre neugewonnene Freundschaft mit der alten Frau Schneiders kann sie Verständnis für die Generation der Kriegskinder entwickeln. Und plötzlich scheint eine Versöhnung doch möglich…

Dieser Klappentext machte mich neugierig. Vielleicht war es aber auch die Überschrift „Familie ist Liebe mit Ecken und Kanten…“, die mich irgendwie packte und nicht mehr losließ. Es gibt Bücher, die schreien einfach danach gelesen zu werden. „Sonntags fehlst du am meisten“ gehört für mich klar dazu. Es mag auf den ersten Blick einfach erscheinen, ist aber so viel mehr als der Klappentext vermuten lässt.


Fakten zum Buch

Titel: Sonntags fehlst du am meisten
Autor: Christine Drews
Verlag: Ullstein Verlag
Seiten: 383
ISBN: 9783548290201

Ausgabe: Taschenbuch – 13,-€
weitere Ausgaben: eBook – 9,99€

Weitere Informationen zum Buch findet ihr auf der Seite des Verlags.


Wie am Anfang bereits gesagt, ist mir selten eine Rezension so schwer gefallen wie diese. Ich bin noch immer völlig gefesselt von Caro, ihrer Geschichte, aber auch der ihres Vaters und von Frau Schneider. Wo der Klappentext einen fast kurzweiligen Roman über „kleine“ Familienstreitigkeiten vermuten lässt, ist dieser Roman doch so vieles mehr. Daraus resultiert auch mein Problem: Kein Satz, keine Beschreibung scheint ihm gerecht zu werden und doch hat er vor allem eines erreicht – mich sprachlos zurück zu lassen.

Es regnet nicht, es schüttet. Auf den ersten Blick bin ich mir nicht sicher, ob es Tropfen sind, die auf den Asphalt knallen, oder Hagelkörner. Aber es sind tatsächlich Regentropfen, so groß, dass sie einen Käfer erschlagen können.
Zitat S. 5

Christine Drews hat einen Schreibstil, der mich direkt mit den ersten Sätzen packte, schüttelte und nicht mehr loslassen wollte. Er ist teils distanziert, dann wieder bildlich, aber durchweg mitreißend. Die Aufteilung in unterschiedliche Zeiten, jeweils durch entsprechende Überschriften mit Zeitangaben kenntlich gemacht, erhalte ich als Leser einen umfassenden Überblick. Ich erfahre mehr über Caros Leben aber auch über die Vergangenheit ihres Vaters. So erschreckend die Bilder der Vergangenheit sind so schwerwiegend sind teils auch die Darstellungen der Gegenwart.

Ich kann der Autorin nur zu dieser Darstellung gratulieren. Auch wenn mich insbesondere das Schicksal des Vaters teilweise schockierte, konnten mich Buch und Handlung doch nicht vollends erschlagen. Das wäre auch zu viel gewesen. So geben sie das notwendige Hintergrundwissen um die Figuren im Roman wirklich verstehen zu können. Caro hatte vielleicht äußerlich ein einfacheres Leben als ihr Vater, doch auch sie musste sich Herausforderungen stellen, die nicht unbedingt einfach waren und sind.

Ich weiß nicht, wie oft ich beim Lesen dieses Buches innehalten musste um die Geschichte sacken zu lassen, mich selbst zu sortieren. Es ist zweifelsfrei kein Buch für zwischendurch. Selten ist der Begriff ‚Tiefgang‘ so treffend wie hier. „Sonntags fehlst du am meisten“ ist aufwühlend, packend und durchweg empfehlenswert. Es gibt viele inhaltliche Verflechtungen, die im ersten Moment nicht auffallen und vielleicht erst später wie Regentropfen und Bomben wirken. Auf die leichte Schulter sollte man dieses Buch also nicht nehmen. Hinter dem äußerlichen Schein steckt oft sehr viel mehr als man meinen mag. Man könnte fast sagen, „stille Wasser sind eben tief“ und bei keinem Buch würde es besser passen als bei dem Roman von Christine Drews.

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