Es ist mal wieder Zeit für etwas Endzeit 😉 Vor einigen Wochen hat mich Christoph Zachariae angesprochen und mir von seinem Buch erzählt. Ihr wisst, ich habe jetzt bereits schon länger keine Dystopie gelesen. Da war es natürlich wieder einmal Zeit für etwas Endzeit 🙂

Die Überlebenden rotteten sich zusammen und zogen sich in abgeschiedene Enklaven zurück, in versteckte Keller, alte Bergwerke, verbarrikadierte Dörfer und unzugängliche Stadtteile, versuchten nicht entdeckt zu werden und zu überleben. Denn durch die verwüsteten Landstriche zogen bewaffnete Banden. Auf der Suche nach Essbarem griffen sie jeden an, der ihnen in die Quere kam und machten das Ödland zu einem Ort, den niemand freiwillig betrat.
Mega, ein neunzehnjähriges Mädchen, wächst in einer Enklave auf. In einem Heizungskeller unter einer verfallenen Universität. Die junge Frau hat einen Traum: Eines Tages will sie den Keller verlassen und die Welt erkunden, denn die muffige Enge lässt sie die Betonmauern hochgehen und das ewige Stillsein und Verstecken entspricht überhaupt nicht ihrem Wesen.

Die Ausgangsidee des Buches erinnerte mich etwas an das Buch SILO von Hugh Howey. Ich möchte beide Bücher jetzt nicht miteinander vergleichen, doch auch in SILO lebten die Menschen in einer Art Keller – einem unterirdischen Silo. Ein weiteren Unterschied gibt es diesmal auch in meiner Rezension. Neben meiner eigenen Einschätzung werde ich dieses Mal auch den Autor zu Wort kommen lassen 🙂

RB: Wie ist Dir die Idee für dieses Buch bzw. diese Reihe gekommen? Wenn ich das richtig sehe ist es ja schon ein ganz anderes Genre im Vergleich zu Deinen übrigen Büchern.
CZ:Tatsächlich will ich Endzeit schon immer schreiben und inszenieren. Ich liebe die Mischung aus Romantik, Spannung und Abgründen. Die Idee, eine junge Frau durchquert im Liegefahrrad eine verwüstete, feindliche Landschaft, ist sehr alt. Eine meiner ältesten Ideen. Ich kann gar nicht mehr genau sagen, wie ich auf sie kam. Sie war plötzlich da. Ein intensiver Tagtraum vielleicht. Mein erster Versuch in Richtung Endzeit ist die Kurzgeschichte ’Kybernetik’. Sie ist als Teil der Kurzgeschichtensammlung ’Dunkle Träume’ erschienen, die weitere dystopische Geschichten enthält. An der Filmakademie Ludwigsburg entstand der Kurzfilm ’Die Überlebende’, ebenfalls eine Endzeitgeschichte. Die letzte Überlebende einer globalen Seuche sucht nach weiteren Überlebenden. ÖDLAND ist also nicht meine erste Beschäftigung mit dem Genre. Ich würde sogar behaupten, dass ich mit ÖDLAND zu meinen Wurzeln zurückgekehrt bin.

Nun aber zum Buch: Der Einstieg in Ödland ist vergleichsweise fließend. Auch wenn ich als Leser in die Geschichte geworfen werde, so beginnt es doch nicht so abrupt und es fällt leicht in die Handlung hineinzufinden. Die Welt liegt scheinbar in Trümmern. Es gibt nur noch Ruinen und wenige Menschen. Die Verbleibenden kämpfen ums Überleben und wie hart dies teilweise ausfällt, erfahren wir auf diesen ersten Seiten. Schon wenige Seiten später wird jedoch klar, dass nicht alles scheinbar ausweglos ist. Ein weiterer Handlungsstrang beginnt, zeitlich vor dem ersten angesiedelt. Während wir also erfahren was passiert, erhalten wir ganz nebenbei auch Hintergrundinformationen. Das ist sehr gut um die Hauptpersonen besser kennenzulernen: Mega und Hagen. Beide sind zwei eigene Charaktertypen, hart und unbeugsam.

RB: Deine Hauptperson Mega, wie würdest du sie beschreiben? Gibt es ggf. ein bis drei Charakterzüge, die sie besonders auszeichnen?
CZ: Mega ist neugierig, sie kann jähzornig werden und sie ist furchtlos. Megas Neugier hat gute und schlechte Seiten. Sie kann es nicht ausstehen, wenn andere Leute Geheimnisse vor ihr haben. Sie hatte immer das Gefühl anders zu sein und ausgeschlossen zu werden. Alles was dieses Gefühl verstärken könnte, wird von Mega sofort hinterfragt. Sie bohrt nach, bis sie weiß was Sache ist. Das auch Mega nicht alles wissen muss und es auch Dinge gibt, die sie gar nicht wissen will, muss sie erst lernen. Wenn der Jähzorn Mega überkommt ist er so stark, dass er leicht außer Kontrolle gerät. Mega ist dann selbst überrascht und schockiert und weiß nicht woher diese Wut kommt. Sie Ursachen sitzen auf tief und Mega spürt, dass sie irgendwann mit der Quelle dieser Wut konfrontiert werden wird. Noch mehr überrascht Mega jedoch die eigene Furchtlosigkeit. Sie übernimmt die Aufgabe allein das Ödland zu durchqueren. Am Anfang treiben sie Naivität und Überheblichkeit, aber eben nicht nur. Wie kommt es, dass sie in der stockfinsteren Nacht mitten im Ödland unter freiem Himmel übernachten kann? Wie kommt es, dass sie Dr. Hammer gern beim Aufräumen der Pathologie hilft? Ein „normales“ Kind hätte Angst vor Toten… Mega ist vorsichtig und sie weiß, wann es gefährlich wird, doch die klassischen Ängste sind ihr fremd.

Mega ist mir als sehr geheimnisvolles Mädchen bzw. als junge Frau ans Herz gewachsen. Sie hat einen Dickschädel und kein Problem damit ihn durchzusetzen. Im Buch wächst sie über sich hinaus und entwickelt ganz neue Stärken. Hagen dagegen ist eher hinterhältig und zeigt dies auch deutlich. Er hat ganz andere Probleme, sieht er die Welt doch auch aus einem ganz anderen Blickwinkel. Die Welt in denen beide und einige andere Leben wirkt zerschlagen und nicht unbedingt lebensfreundlich. Dennoch haben sie es alle geschafft auf die eine oder andere Weise zu überleben. Das Erschreckende daran: Das Szenario wirkt sehr real und durchaus möglich.

RB: Glaubst Du, dass ein Szenario wie von Dir im Buch beschrieben auch tatsächlich möglich ist?
CZ: Ich bin auf keinen Fall überzeugter Apokalyptiker und reise zum Pic de Bugarach nach Frankreich, um rechtzeitig das letzte Raumschiff zu kriegen 😉 Ich bin jedoch fest davon überzeugt, dass die Gier des Menschen schneller wächst, als seine Vernunft. Es gibt heute mehr Superreiche auf der Erde, als je zuvor. Doch was machen diese Leute mit ihrem Reichtum? Anderen helfen? Natürlich nicht. Sie benutzen ihren Reichtum, um noch reicher zu werden. Ein Kernmerkmal des Menschen ist stumpfe, grenzenlose Gier. Und wenn jetzt noch ein oder zwei negative Faktoren, mit denen wir es in Zukunft zu tun bekommen werden, außer Kontrolle geraten, wie z.B. Überbevölkerung, Endlichkeit von Ressourcen oder der Kollaps des Finanzsystems, (von dem wir nur ein paar Schritte entfernt sind), dann kann das zunehmende soziale Ungleichgewicht eine explosive Mischung hervorbringen. Dann wären wir tatsächlich „verwöhnte Kinder, die auf dem Pulverfass sitzen und mit dem Feuer spielen“. Ich halte eine solche Entwicklung durchaus für möglich, jedoch nicht für wahrscheinlich. Der Mensch ist ein „weicher“ Faktor und extrem anpassungsfähig.

Insgesamt ist es ein sehr erholsames Buch – so seltsam das jetzt auch klingt. Die Handlung ist gut angelegt und fließt beim Lesen dahin. Es gibt verschiedene spannende Momente beim Lesen, die ans Buch fesseln. Doch auch unabhängig davon hatte ich das Gefühl unbedingt weiterlesen zu müssen. Die gelungene Mischung aus HIntergrund und Fortschritt ist überzeugend angelegt und das Buch entsprechend durchaus empfehlenswert. Einziges Manko: Das Ende! Ja, ich habe es nur selten dass ich sage, mir gefällt das Ende nicht 🙁 Warum? Es war sehr abrupt und verdammt ich will wissen wie es weiter geht!

RB: Wie weit bist du mit dem zweiten Buch?
CZ: Es ist fertig und befindet sich zur Zeit im finalen Korrektorat. ÖDLAND II soll Ende 2013 erscheinen. Ich hoffe natürlich, dass ich mich an diese Ankündigung halten kann. Eigentlich (wenn nichts dazwischen kommt, toi, toi, toi) sollte es aber klappen. Ich fiebere selbst der Veröffentlichung entgegen. Häufig wurde der Cliffhanger am Ende des ersten Buches kritisiert. Das zweite Buch hat möglicherweise ein befriedigenderes Ende, weil sich dort ein wichtiger Kreis schließt. An ein oder zwei Stellen bin ich außerdem ein Wagnis eingegangen. Deshalb interessiert es mich doppelt, ob Leserinnen und Leser mitgehen werden. Ich jedem Fall lohnt sich das zweite Buch. Es schließt nahtlos an das erste an und klärt viele Fragen, die im ersten Buch offen blieben, z.B. wie Mega in die Moorsiedlung kam.

Wenn ihr nun ebenfalls Lust auf etwas Endzeit habt, dann empfehle ich euch dieses Buch. Es ist ideal für einen entspannten Leseabend und bringt sowohl Spannung wie auch Emotionen mit sich. Insgesamt vergebe ich dafür 4 Sterne, denn manchmal hatte ich beim Lesen das Gefühl, dass noch Luft nach oben vorhanden war.

2 Replies to “Ödland I – Der Keller

  1. Hallo Annett!
    Ich bin ja dystopiesüchtig und wenn das Buch von dir 4 Sterne bekommt, noch dazu ein bisschen mit SILO verglichen wird, dann muss es auf meine Wunschliste. Denn es klingt zu gut.
    Vielen Dank für die Rezension! Viel Spaß weiterhin beim Lesen, liebe Grüße, Iris

    1. Hallo Iris,

      ja ich denke es könnte dir gefallen 🙂 Mit Silo habe ich es verglichen, da der Ansatz des Kellers ja in gewisser Hinsicht gleich gewesen ist. Unabhängig davon sind beide Geschichten auch völlig verschieden. Die Blutrünstigkeit bzw. Grausamkeit ist in Ödland auch präsenter als in Silo. Dort ist vieles einfach sehr politisch und gesellschaftlich beeinflusst, in Ödland geht es einfach ums “nackte Überleben” um einmal bildlich zu sprechen. Entsprechend ist der Schreibstil auch ganz anders, aber ich glaube du wirst es mögen 🙂

      Gruß
      Annett

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