Dieses Buch mit düsterem Cover aus dem Goldmann Verlag hatte es mir direkt auf den ersten Blick angetan. Der Titel ist nicht minder geheimnisvoll und machte mich nur noch neugieriger 🙂

Ruby hat überlebt. Doch der Preis dafür war hoch. Sie hat alles verloren: Freunde, Familie, ihr ganzes Leben. Weil sie das Virus überlebt hat. Weil sie nun eine Fähigkeit besitzt, die sie zur Bedrohung werden lässt, zu einer Gefahr für die Menschheit. Denn sie kann die Gedanken anderer beeinflussen. Deshalb wurde sie in ein Lager gebracht mit vielen anderen Überlebenden. Deshalb soll sie getötet werden. Aber Ruby hat nicht überlebt, um zu sterben. Sie wird kämpfen, schließlich hat sie nichts zu verlieren. Noch nicht …

Die Idee hinter “Die Überlebenden” klingt an sich erst einmal hervorragend und auch jetzt wo ich das Buch in Händen gehalten habe, bin ich vom Cover noch immer restlos begeistert. Die ganze Aufmachung des Buches ist herrlich düster und geheimnisvoll. Wäre ich nicht schon sehr gespannt gewesen, dann hätte ich mich wohl spätestens jetzt für dieses Buch interessiert.

Als das Weißrauschen losging, waren wir gerade im Garten beim Unkrautjäten.
Zitat S. 5

Der Einstieg ins Buch ist unvermittelt und schon etwas vorgegriffen. Erst später erfährt der Leser, wie es eigentlich zu dieser Situation gekommen ist. Es ist befremdlich und zunächst fand ich es etwas schwer in die Story hineinzukommen. Das lag an der seltsamen Situationen und den Charakteren. Es ist schwierig direkt eine Verbindung herzustellen, wenn man einfach so hineingeworfen wird. Schon nach wenigen Seiten jedoch, war ich mittendrin. Ruby ist ein 16 jähriges Mädchen, welches sich jedoch auf dem Wissenstand einer 10-jährigen befindet. Schuld daran ist die Gesellschaft, welche Kinder wie sie in Lager interniert.

Sie hatten gar keine Angst vor den Kindern, die vielleicht sterben könnten, oder vor den Leerstellen, die sie hinterlassen würden.
Sie hatten Angst vor uns – vor denen, die am Leben blieben.

Zitat S. 12

Aufgrund eines Virus stirbt ein großer Teil der Kinder vor ihrem zehnten Lebensjahr. Jene die überleben, entwickeln besondere Fähigkeiten. Aufgrund dieser Fähigkeiten werden sie in die Lager gebracht und nach verschiedenen Farben geordnet. Grün und Blau sind die vermeintlich ungefährlichen Farben. Kinder der Farben Gelb, Orange und Rot werden allerdings als gefährlich eingestuft und verschwinden bald wieder aus dem Lager. Ruby wurde als grün klassifiziert und verbringt mehrere Jahre in einem dieser Lager, bis sie plötzlich von Rebellen befreit wird. Das ist für sie eine seltsame Situation und so flieht sie abermals, nur um in eine Gruppe anderer Kinder und Jugendlicher hineinzurennen.

Die Kinder mit grünem und blauem X durften sich frei bewegen, ihre Hände schwangen neben dem Körper. Die mit einem blassgelben, einem orangefarbenen oder einem roten X mussten sich in Hand- und Fußschellen aus Metall durch den Regen mühen; eine lange Kette fesselte sie zu einer Reihe aneinander. Diejenigen, die als Orangene gekennzeichnet waren, hatten diese komischen Maulkörbe vor dem Gesicht.
Zitat S. 20

Ich muss sagen Brackens Schreibstil ist erschütternd. Fast unmerklich schafft sie eine Stimmung, die mich einfach mitgerissen hat. Obwohl ich mich zunächst nur schwer zurechtfinden konnte, hat mich Ruby schnell begeistert. Sie ist fast schon erwachsen aber gleichzeitig kindlich naiv. Dies ist nicht zuletzt ihrem bisherigen Leben geschuldet und so sehr gut umgesetzt worden. Sie ist nicht zu wissend und erwachsen. Sie hat eine schwere Zeit hinter sich, was sie merklich beeinflusst hat. Dennoch macht sie in ihrer Entwicklung nur kleine Schritte, sodass es auch für mich als Leser jederzeit sehr logisch und nachvollziehbar wirkte.

“Ich kann doch nicht so tun, als wäre das nie passiert”, erwiederte ich. Noch immer spürte ich die Vibration des Elektrozauns unter der Haut.
Zitat S. 78

Ehrlicherweise muss ich sagen, dass ich während des Lesens zwischendurch auch mal den einen oder anderen Hänger hatte. Dennoch ist das Buch insgesamt äußerst gut und hat mich schon weit vor dem Ende begeistert. Die Handlung hat einen schönen Spannungsbogen, der den Leser bei der Stange hält. Die Spannung steigt auf den letzten 150 Seiten immer weiter an und führt zumindest für mich zu einem kleinen Herzschmerz-Finale. Das Ende war derart gut, dass es sämtliche leichten Schwächen zu Beginn ausgeglichen hat und ich daher begeisterte 5 Sterne vergebe. Ich freue mich schon jetzt auf den zweiten Band der Triologie, der übrigens im Februar des kommenden Jahres erscheint.

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