Zunächst einmal: ich liebe dieses Cover 😀 Die warmen Farben versprühen direkt Sommerfeeling und so erreicht mich schon vor Beginn des Lesens Urlaubsstimmung 🙂 Da kann ich Bloomsbury Berlin wirklich nur für das tolle Design gratulieren.

Warum haben sich Victors Eltern getrennt, obwohl sie sich noch lieben? Was hält seinen Vater davon ab, die Ferienwohnung seiner Familie in Cap-Martin zu betreten? Und was sucht seine Mutter Claire, eine Buchhändlerin, in all den Büchern, die sie pausenlos liest und mit gelben Post-its beklebt? Das Leben von Victor Beauregard ist ein einziges Fragezeichen. Aber in diesem Sommer an der Côte d’Azur ist vieles anders. Es gibt Gewitter ohne Regen und Myriaden von Glühwürmchen, die die nächtliche Küste in ein Lichtermeer verwandeln. Es gibt eine alte Baronin, die Victor von früher erzählt und ihm rät, einfach den Glühwürmchen zu folgen. Und es gibt vor allem neue Freunde: ein seltsames Zwillingspaar, das ihm die verwunschenen Villen an der Steilküste zeigt und das Geheimnis von Victors Vater zu kennen scheint.

Gleich zu Beginn fällt der tolle Schreibstil des Autors auf. Das Buch ist aus der Sicht eines kleinen Jungen geschrieben, was während des Lesens aber immer mal wieder in Vergessenheit gerät. Die Sichtweise des jungen Erzählers wirkt teilweise sehr erwachsen, im nächsten Moment jedoch wieder sehr natürlich und kindlich naiv. Diese Mischung ist es auch, die mich direkt auf der ersten Seite begeisterte und spätestens bei der Vorstellung der Eltern, hatte das Buch bei mir gewonnen.

Tweet-Gluehwuermchen

Victor ist ein außergwöhnlicher Junge. Dies beginnt schon bei seinem Elternhaus, aber betrifft insbesondere seine Sichtweisen und Gedanken. Nicht selten war ich verwundert wie sich einige seiner Ansichten mit seinen gerade einmal neun Jahren vereinbaren lassen.

In der Schule erzähle ich immer, dass ich zwei Mamas und einen Papa habe. Damien sieht mich dann an, als hätte ich Bier getrunken so wie sein geschiedener Vater, der das Zeug im Sommer in seinem Ferienhaus immer runterkippt und dann in seinen Klamotten einschläft.
Zitat S. 15

Schreibstil und Sichtweisen sind in diesem Roman wirklich beeindruckend. Ein weiterer Satz lässt vermuten, dass Gilles Paris selbst gern liest – oder aber ich bilde mir die Parallelen nur ein 😉

“Nenn mich Hedwige, selbst wenn das nach einer alten Eule klingt.”
Zitat S. 91

Na vielleicht bin ich hier auch die Einzige, die gleich an einen kleinen Zauberlehrling denken muss. Es mag noch die eine oder andere weitere Anspielung geben, zumindest hatte ich das Gefühl. Hedwige war jedoch bei weitem die Offensichtlichste. Unterm Strich würde ich sogar so weit gehen, dass Paris in “Der Glühwürmchensommer” ebenfalls etwas Magie wirken lässt. Hier liegt jedoch weniger die greifbare Magie zugrunde sondern vielmehr die des Menschen und der zwischenmenschlichen Beziehungen.

“Der Glühwürmchensommer” überzeugt mit einem grandiosen Schreibstil, Tiefgang und teils kindliche Sichtweisen. Paris hat es geschafft eine Geschichte nachvollziehbar durch die Augen eines neunjährigen Jungen zu erzählen. Manchmal klingt er dabei etwas zu erwachsen, bleibt aber trotz allem immer im relativ realistischen Rahmen. Er konnte mich von der ersten Seite an überzeugen. Dieses Buch ist zweifelsfrei keine leichte Lektüre für zwischendurch. “Der Glühwürmchensommer” ist ein Buch, das sich mit Menschen, Schicksalen und Beziehungen beschäftigt. Wer nach einem Buch mit Tiefgang und Nachdenklichkeit sucht, der sollte zu Gilles Paris Roman greifen. Ich kann es jedenfalls nur empfehlen und vergebe die vollen 5 Sterne.

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