Diesen Roman habe ich bereits vor einer gefühlten Ewigkeit gelesen. Ich weiß gerade gar nicht, warum ich euch bisher nicht von diesem Roman erzählt habe. Der Klappentext hatte mich direkt angesprochen und schrie regelrecht danach gelesen zu werden.

Auch wenn du deine Erinnerung verlierst, wirst du doch nie die Liebe vergessen…

Anna Forster ist erst achtunddreißig, als sie die erschütternde Diagnose Alzheimer erhält: Sie weiß, dass ihr Zwillingsbruder Jack nur ihr Bestes will, und dennoch tut es weh, als er ihr vorschlägt, in ein betreutes Wohnheim zu ziehen. Sie weiß außerdem, dass in der Einrichtung nur eine weitere Person in ihrem Alter lebt – Luke, mit dem sie so viel mehr verbindet als mit allen anderen Menschen, die sie kennt. Anna und Luke verlieben sich ineinander, doch nach einem tragischen Vorfall setzen ihre Familien alles daran, die beiden zu trennen. Nur eine Person kann dem Liebespaar helfen: die Köchin Eve, die selbst einen schweren Schicksalsschlag verkraften musste. Doch ist sie bereit, alles für Anna und Luke aufs Spiel zu setzen?

Ihr merkt, der Roman von Sally Hepworth hat nicht gerade einen einfachen Hintergrund. Gerade das hat mich hier jedoch angesprochen. Ich habe erst wenige Bücher gelesen, in denen Alzheimer thematisiert wurde. Sie alle waren ausnahmslos gut, die Protagonisten jedoch bereits eher fortgeschrittenen Alters. In “Anna Forster erinnert sich an die Liebe” sind sie dagegen aus meiner Perspektive noch relativ jung. Uns trennten zum Zeitpunkt des Lesens nur knapp zwei Jahre. Das ist auf einer ganz anderen Ebene erschütternd. Alzheimer ist keine Krankheit des Alters – sie kann jeden treffen, auch wenn es gerade die alten Betroffenen sind, die zunächst vor unserem inneren Auge auftauchen.

Quelle: Pixabay

Anna ist eine selbstbewusste Frau, die mit der Diagnose Alzheimer zunächst nur schwer zurecht kommt. Nicht verwunderlich, wenn man bisher immer eigenverantwortlich gelebt hat, wie soll man dann plötzlich die ständige Bevormundung durch andere akzeptieren? Natürlich gab es Situationen, die ihr zeigten “so kann es nicht weitergehen”, aber gleich in ein Heim fern der gewohnten Umgebung geschickt zu werden? Da ist es nur ein schwacher Trost, dass es in diesem Heim einen weiteren Fall in ihrem Alter gibt – zwar gut gemeint aber zunächst nicht wirklich hilfreich.

Niemand traut dem, was ich sage. Wenn ich zum Beispiel darauf hinweise, dass der Toast verbrennt oder dass gleich die Sechsuhrnachrichten kommen, sind alle ganz erstaunt. Unfassbar!

Zitat S. 7

Mit viel Gefühl erzählt Hepworth, wie es Anna schafft sich in ihrer Situation zurecht zu finden. Wie sie es schafft sich ein neues Leben aufzubauen – trotz aller Widrigkeiten. Fern von Effekthascherei und großer Dramatik zeigt Hepworth Annas Schicksal – aber auch das der Figuren um sie herum. Es braucht nicht viel, um den Leser zum Nachdenken zu bringen. Die Schwierigkeiten und Herausforderungen zeigen sich von ganz allein. Der ruhige, nachdenkliche Stil unterstreicht diese nochmals. “Anna Forster erinnert sich an die Liebe” mag vielleicht kein Roman mit einfachem Thema sein, doch es ist ein Buch, das hängen bleibt. Auch jetzt noch, Monate nachdem ich es gelesen habe, ist es mir positiv in Erinnerung geblieben.

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