Zunächst: Ich liebe dieses Cover! Es ist wunderbar schlicht und passt einfach perfekt zum Buch. Es ist vielschichtig, geheimnisvoll und gleichzeitig sehr zart. Nach dem Lesen kann ich verstehen, warum es gerade so gewählt wurde und würde es nicht ändern wollen.

Die ‚Elysische Gesellschaft‘ bietet ihren Kunden an, mit verstorbenen Angehörigen in Kontakt zu treten. Die Angestellten werden Körper genannt, so auch Eurydice, längste und zuverlässigste Mitarbeiterin der Firma. Ihr Erfolgsgeheimnis: Sie findet Zuflucht in der betäubenden Wirkung der Lotusse – Pillen, die den Kontakt zur Welt der Toten ermöglichen. Als Eurydice die Verbindung zur Frau von Patrick, einem rätselhaften Witwer, herstellt, wird sie besessen von dem glamourösen Paar. Sie bricht ihre eigenen Regeln, verliebt sich und dringt immer tiefer ein in Patricks Leben und das Rätsel hinter Sylvias mysteriösem Tod. Eurydice muss ihr eigenes Dasein entwirren und sich ihren längst begraben geglaubten Geheimnissen stellen.

Auszug-Possessions

Zunächst dachte ich, es geht hier hauptsächlich um das Leben nach dem Tod bzw. die Möglichkeit mit verstorbenen Menschen Kontakt aufzunehmen. Beim Lesen wird diese Erwartung allerdings sehr schnell wieder gerade gerückt. Hier geht es nicht einfach nur darum, Geister heraufzubeschwören und mit Toten zu reden. Edie ist die Hauptperson des Buches. Aus ihrer Sicht wird die Handlung erzählt und bereits nach wenigen Seiten übt sie wie auch ihr „Job“ eine eigenartige Faszination auf mich aus. Vielleicht wollte ich gerade deswegen immer weiter lesen? Sie ist ein sogenannter Körper und stellt sich selbst zur Verfügung um Hinterbliebenen die Möglichkeit zu geben mit verstorbenen Familienmitgliedern zu sprechen.

Possessions-Werbung

Ich frage mich, gerade zu Beginn des Buches, warum hat man einen solchen Job? Ich kann verstehen, warum Menschen die Chance nutzen noch einmal mit einem Verstorbenen zu reden. Wer würde das nicht gerne tun. Eurydice gibt dafür allerdings jedes Mal sich selbst auf und schluckt die sogenannte Lotus Pille um einem fremden Geist Einlass zu geben. Es ist befremdlich und gerade zu Beginn des Buches wird man aus ihren Beweggründen nicht wirklich schlau.

Eurydice (ich mag den Namen irgendwie) ist keine einfache Person. Das wird beim Lesen sehr schnell deutlich und für mich persönlich lag ein nicht zu verachtender Anteil der Spannung darin, aus Edie irgendwie schlau zu werden. Patrick fand ich dagegen zu Beginn des Buches noch irgendwie ziemlich uninteressant. Er war für mich einfach nur ein Klient, der Edie als Körper nutzen wollte. An dieser Stelle sei angemerkt, dass ich die Bezeichnung der Figuren als „Körper“ doch wirklich sehr befremdlich fand. Dennoch waren sie genau das Eurydice vermutlich mehr als alle anderen. Sie hat sich selbst aufgegeben und war daher einfach nicht mehr als ein reiner Körper, der von Geistern benutzt werden konnte.

Der Schreibstil der Autorin unterstreicht die Weiterentwicklung Edies noch zusätzlich. Zu Beginn des Buches ist er einfach, distanziert und an den richtigen Stellen etwas blumig. Zum Ende hin wird er leichter, ist wärmer und nicht mehr ganz so von der Distanz dominiert. Es ist schwer zu sagen, wie viel davon persönlicher Eindruck ist, denn über die Seiten sind mir sowohl Eurydice als auch Patrick immer mehr ans Herz gewachsen.

Possessions-Zitat

Possessions ist ein Buch, das meine Erwartungen nicht erfüllt hat. Zum Glück! Ich hatte komplett falsche Vorstellungen, es um vieles besser als ich gedacht hätte. Ich habe eine gute Story mit etwas paranormalem Einfluss erwartet aber viel mehr bekommen. Eurydice ist eine wunderbare Figur mit zahlreichen, interessanten Facetten. Murphy zeigt, wie Tiefgang wirklich geht. Hier gibt es die Erkenntnisse teils hinter der Ecke und immer schön in einzelne Häppchen aufgeteilt. Ich hatte mit etwas Spannung gerechnet, allerdings nicht mit den unterschwelligen Vibrationen, die sich schon mit den ersten Seiten einstellten. Ein wirklich wunderbares Buch! Absolut empfehlenswert und ein Muss für jedes Buchregal.

5-Sterne

Kommentar verfassen