Wer meinem Blog folgt und die Beiträge hier regelmäßig liest, der weiß, dass ich normalerweise keine Sachbücher lese oder besser gesagt nur eher selten. Heute jedoch mache ich einmal eine Ausnahme, denn dieses Buch solltet ihr wirklich kennen.

Geboren in den Wirren des Krieges, in Hunger, Bombenhagel und mit der Angst vor dem Tod. Geflüchtet mit dem, was sie auf dem Leib tragen konnten, unermessliches Leid vor Augen. Für heutige Jugendliche nicht mehr vorstellbar. Und doch sind es ihre Großeltern, die dieses Schicksal erfahren haben und die nur noch wenige Jahre davon erzählen können, wie sie Flucht und Vertreibung überlebt, ihren Alltag in den zerbombten Städten organisiert haben. Und was aus den Wunden ihrer Kindheit geworden ist. Dieses Buch erzählt ihre Geschichten.

Ich weiß nicht, ob die Bezeichnung „Sachbuch“ für „Kindheit in Trümmern“ von Barbara Warning wirklich passt. Ich empfinde es vielmehr als Dokumentation einer Zeit, die viele nachhaltig geprägt hat. Ich gebe zu ich war skeptisch, ich lese nun einmal keine Bücher dieser Art. Aber schon nach wenigen Seiten war ich gefesselt, geschockt und gleichermaßen erschüttert. Noch mehr schockte mich die Aussage meines Freundes: „Ich wusste, dass du daran hängen bleibst.“ Kenne ich mich wirklich selbst so wenig, dass ich ein Buch derart skeptisch beginne und letztlich so überrascht über mein eigenes Empfinden bin? Vielleicht sollte ich mich aber auch einfach freuen, dass er mich so gut kennt 😉

Aber zurück zum Buch. Die Aufmachung ist einfach, das Cover fast schon farblos. „Kindheit in Trümmern“ will aber auch nicht mit einer grandiosen Darstellung oder einem atemberaubenden Cover Aufmerksamkeit erregen, sondern mit Geschichten und echten Schicksalen. Wer liebt als Kind nicht Geschichten, die Eltern oder Großeltern von ihrer eigenen Vergangenheit erzählen, welche Streiche sie gespielt haben oder was sie erlebt haben. Dieses Buch ist ein bisschen wie eben diese Geschichten, nur dass es sich hier nicht um Verwandte oder um deren lustige Erlebnisse handelt.

Mit „Kindheit in Trümmern“ haben junge Leser die Möglichkeit, einen ganz anderen Blick auf die Zeit des zweiten Weltkrieges zu bekommen. Anhand von realen Schicksalen lernen sie die Zeit, das Geschehen und damit auch die Geschichte besser kennen. Die Altersempfehlung von 13 Jahren ist hierbei zwar ok, so manches Mal finde ich sie aber doch etwas zu niedrig angesetzt. Wenn mich diese Schicksale so erschüttern konnten, wie mag es da erst einem Kind von 13 Jahren gehen? Dieses Buch sollten sie keinesfalls allein lesen, denn unweigerlich werden zahlreiche Fragen auftauchen.

Ich habe lange überlegt, welche Bewertung ich hier vergeben möchte. Das Buch ist schockierend, der Schreibstil nüchtern. Nur die Altersempfehlung empfinde ich als zu jung. Da dies aber das Buch an sich nicht beeinträchtigt vergebe ich die vollen 5 Sterne und lege es jedem ans Herz, der etwas mehr über jene Zeit erfahren möchte. In diesem Buch steht definitiv einiges, dass so in keinem Geschichtsbuch vorkommt.

One Reply to “Kindheit in Trümmern”

  1. Hey!
    Ich sehe das auch so, dass junge Leser dieses Buch nicht ohne Begleitung durch einen Erwachsenen lesen sollten. Die Erlebnisse sind einfach zu schockierend und zum Teil sehr schonungslos berichtet. Ich finde das Buch aber auch sehr wichtig und denke, dass es eine gute Grundlage ist, um Jugendlichen näher zu bringen, was unsere Großeltern erlebt haben.
    LG
    Yvonne

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