„Engelskalt“ von Samuel Bjork begeisterte mich bereits mit dem grandiosen Buchcover, welches (glücklicherweise) auch beim Hörbuch Anwendung findet. Es ist einfach gehalten, aussagestark und fesselt direkt. Natürlich musste ich bei diesem Titel wissen worum es geht, was passiert und vor allem wie es umgesetzt ist. Da Thriller meiner Ansicht nach als Hörbuch eine ganz eigene Wirkung erzielen, wollte ich „Engelskalt“ unbedingt hören und nicht lesen.

Ein Spaziergänger findet im norwegischen Wald ein totes Mädchen, das mit einem Springseil an einem Baum aufgehängt wurde und ein Schild um den Hals trägt: „Ich reise allein.“ Kommissar Holger Munch wendet sich an seine Kollegin Mia Krüger, deren Spürsinn unschlagbar ist. Er reist auf die Insel Hitra, um sie abzuholen. Was Munch nicht weiß: Mia hat sich dorthin zurückgezogen, um sich umzubringen. Doch als sie die Bilder des toten Mädchens sieht, entdeckt sie ein Detail, das bisher übersehen wurde – und das darauf schließen lässt, dass es nicht bei dem einen Kind bleiben wird …

Gelesen wird das Hörbuch von Dietmar Wunder, einem Sprecher, den ich bisher nicht kannte. Mit „Engelskalt“ konnte er mich aber direkt überzeugen. Seine Stimme ist angenehm und ungemein vielseitig. Langeweile kommt hier nicht auf, was natürlich auch am Buch liegt. Es ist eines der ersten Bücher des Autors und so war sicherlich auch etwas Neugier in meiner Entscheidung für dieses Hörbuch enthalten. Bisher konnten mich skandinavische Thriller-Autorin aber meist mit Leichtigkeit fesseln.

Die Handlung beginnt fast unmittelbar. Ein aufgehängtes Mädchen, eine depressive Polizistin und ein Kommissar, der einem tragischen Helden gleich kommt. Holger Munch und seine Kollegin Mia sind zwei starke Charaktere, deren Eigenheiten vom Sprecher noch gut unterstützt werden. Unterschiedliche Stimmlagen verdeutlichen ihre Ansichten und Gemütszustände. Mittels unterschiedlicher Lesegeschwindigkeiten zieht Wunder den Zuhörer mit Leichtigkeit in seinen Bann und ehe ich mich versah, war schon die erste Stunde um. Spannung von der ersten Minute an, wodurch es ziemlich schwierig ist einmal ein Pause einzulegen.

Die Hörprobe beinhaltet eine der Szenen, welche das Können von Dietmar Wunder verdeutlichen. Ich finde es fällt vielen Sprechern schwer eine Frau beim Lesen so wiederzugeben, dass sie auch als Frau wahrgenommen wird. Es handelt sich hier sicherlich nur um Feinheiten in der Stimmlage und Aussprache, doch Dietmar Wunder ließt Mia’s Part nach meinem Gefühl etwas weicher als beispielsweise jenen von Holger Munch. Das ist beachtlich und letztlich auch das, was mich so sehr bei diesem Sprecher begeistern konnte.

Aber zurück zum Buch. Die Spannung baut sich mit schrittweise immer weiter auf. Ich weiß nicht wie es im Buch wirkt, der Schreibstil scheint jedoch gut zu sein. Es hörte sich insgesamt sehr flüssig und ohne große Durststrecken. Im Stil war es nicht zu einfach gehalten, mitunter gab es auch genauere Erklärungen jedoch ohne das Hörerlebnis zu beeinträchtigen. „Engelskalt“ ist definitiv ein Buch, das als Hörbuch überzeugt – unter anderem natürlich auch dank des großartigen Sprechers. Aus diesem Grund erhält das Hörbuch aus dem Hörverlag von mir auch die vollen 5 Sterne und eine klare Hörempfehlung.

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