Die große Liebe, die einzig wahre und doch nicht immer glückliche ist Thema in vielen Romanen. Im neuen Werk Izabelle Jardins stehen gleich mehrere Paare im Mittelpunkt – zum einen Faye und Constantin, deren Liebe nicht den Ansprüchen seines Vaters entspricht. Auf der anderen Seite Clara und Martin, deren Liebe zunächst ein glückliches Leben verspricht bevor letztlich doch alles ganz anders kommt als erwartet. Wer die Autorin kennt, der weiß um ihr Gespür für gute Geschichten und wird sich diesem Roman wie ich kaum entziehen können.

Manchmal glühen die Funken der Vergangenheit im Feuer der Gegenwart weiter.
Constantin ist die Liebe ihres Lebens. Daran hat Faye Duncan keinen Zweifel. Deshalb will die Journalistin ihren Freund auf dem Schloss seiner Ahnen heiraten.
Aber Constantins Vater ist damit nicht einverstanden. Tradition verpflichtet und Faye genügt nicht seinem ausgeprägten Standesdünkel. Doch so leicht gibt die selbstbewusste Faye nicht auf.
Als sie das alte, wunderschöne Gemälde der Urgroßmutter Constantins entdeckt, fängt sie an, fieberhaft zu recherchieren. Nach und nach taucht sie ein in ein Familiengeheimnis, das sie zurückführt ins viktorianische Zeitalter und in die Lebens- und Liebesgeschichte dieser faszinierenden Frau. Für Faye beginnt die Reise in eine Vergangenheit voller Tragik und Schicksalsschläge, an deren Anfang ein unglaubliches Ereignis steht: eine nicht standesgemäße Verlobung im August 1851 … und der Funke eines Feuerwerks, der mehr entfacht als bloße Leidenschaft.

Der erste Eindruck ist schnell zusammengefasst: ein großartiges Cover, das mich persönlich irgendwie an Sissi erinnerte und vielleicht gerade deswegen direkt mein Interesse weckte. Doch auch der Klappentext verspricht wieder eine tiefgehende Story mit einem gut recherchierten Hintergrund. Wie hätte ich da widerstehen können? Kaum verwunderlich also, dass ich schon noch den ersten zwei Kapiteln völlig versunken war. Die Geschichte um Clara Henriette hat mich direkt in ihren Bann gezogen – genau wie auch Faye, die Claras Geschichte von ihre Lebensgefährten Constantin erzählt bekommt. Ein Gemälde auf dem alten Sitz seiner Familie verstärkt das Interesse an den „historischen“ Hintergründen dieser Figur nur zusätzlich.


 

Fakten zum Buch

Titel: Funkenflug
Autor: Izabelle Jardin
Verlag: Tinte & Feder
Seiten: 480
ISBN: 978-1503946804

Ausgabe: Taschenbuch – 9,99€*
weitere Ausgaben: eBook – 4,99€*

Weitere Informationen zur Autorin gibt es auf ihrer Seite.


Ich gebe zu, Clara hatte bereits nach wenigen Sätzen meine volle Sympathie. Constantins Vater war dagegen auch für mich ein absolutes Ekel und so manches Mal schüttelte ich den Kopf über dessen Unverfrorenheit. Gleichzeitig ließ mich die von Faye oft gelobte Diplomatie Constantins fast verzweifeln, denn er hätte seiner Partnerin für meinen Geschmack deutlich sichtbarer zur Seite stehen können. Gerade in den ersten Auseinandersetzungen wurde mehrfach deutlich, wie wenig ihr Schwiegervater in spe tatsächlich von Faye hielt. Hier hat die Autorin gekonnt einige befremdliche Situationen geschaffen, die nicht künstlich herbeigezogen sondern realistisch und durchaus nachvollziehbar wirkten. Vielleicht habe ich mich deshalb mit Faye fast ebenso schnell verbrüdert wie mit Clara? Von verschiedenen anderen Figuren habe ich dagegen nur ein eher unscheinbares Bild. Insbesondere Henry war äußerst schwer einzuschätzen – aber wie bezeichnete ihn seine Schwester so treffend: Chamäleon. Nun das ist er wirklich und so konnten weder Clara noch ich ihn wirklich gut einschätzen. Etwas erschreckend fand ich die Naivität Claras, die trotz ihrer immer wieder präsentierten Intelligenz auftauchte. War sie im einen Moment noch böse auf ihren Mann, so suchte sie wenige Sätze später bereits nach Erklärungen und Argumenten für dessen Meinung. Den Lesefluss getrübt hat dies allerdings nicht.

Jardin hat einen überaus angenehmen Schreibstil. Ich bin kein Fan historischer Bücher und auch wenn ich mir hier eigentlich keine Sorgen gemacht habe, so hätten mich zu viele oder so sachlich präsentierte historische Hintergrundinformationen eher gelangweilt als gefesselt. Glücklicherweise werden diese eher nebenbei mal erwähnt oder zu Untermalung einzelner Aussagen der Figuren hinzugezogen. So habe ich ein umfassendes Bild erhalten ohne von geschichtlichen Infos erschlagen zu werden. Jardins Schreibstil ist flüssig und gleichzeitig fesselnd. Ihr Gespür für gute Figuren, packende Handlungsstränge und inhaltliche Verflechtungen der verschiedenen Zeitebenen hat mich während des Buches durchweg begeistert. Die immer wieder auftauchenden Parallelen, die vielen Facetten der Charaktere aber auch das nötige Maß an Distanz und gleichzeitiger Nähe machen die Geschichten der beiden Frauen zu einem mitreißenden Roman. Ein großartiges Buch, das keiner mehr aus der Hand legen kann sobald er mit dem Lesen begonnen.

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