Ein weiteres Buch aus meinem geliebten Arctis Verlag. Ich gebe zu, ich bin diesen Büchern verfallen und erstmals ist der Verlag Ursache für eine „Haben-Muss-Reaktion“. Was sonst eher Autoren auslösen, vermag hier das Verlagsteam durch sein geübtes Händchen für Bücher abseits des Mainstreams aber noch nah genug um Fans von Genretypen zu erreichen. Das mag jetzt etwas gestochen klingen, doch genau diese Vision ist es, die mich auch bei „Die Stadt der verbotenen Träume“ angesprochen hat. Der Klappentext klingt nach Fantasy, mit einem Hauch Dramatik und Rebellion. Es sind schon vor dem Lesen derart viele Schichten spürbar, dass ich einfach nicht anders konnte als es lesen zu müssen.

Eliana ist eine pflichtbewusste Weberin im prestigeträchtigen Haus der Spinnweben. Sie kann lesen und schreiben und sie kann träumen, eine Fähigkeit, die der »Rat« der Inselstadt strengstens untersagt. Niemand spricht über die Träumer, die in der Gesellschaft geächtet werden. Eines Tages wird ein junges Mädchen bewusstlos aufgefunden. Der einzige Hinweis auf ihre Identität ist ein Wort, das auf ihre Handfläche tätowiert wurde: Eliana. Als Eliana sich dem Geheimnis des Mädchens nähert, beginnt das Lügengebäude der Obrigkeit zu bröckeln.

Um es kurz zu machen, die Bücher des Arctis Verlages haben es bei mir trotz allem etwas schwer. So sehr ich diesen Verlag liebe, so hoch sind inzwischen oft auch die Erwartungen an die Bücher – ganz frei von den Autoren oder ggf. anderen von diesen bereits gelesenen Büchern. Emmi Itäranta kannte ich bisher noch nicht, dennoch war sie bzw. ihr Buch dieser Erwartungshaltung schutzlos ausgeliefert. „Die Stadt der verbotenen Träume“ beginnt recht müßig. Der Einstieg überzeugt, wirft ausreichende Fragen auf und sorgt dafür, dass ich weiter lese. Der Schreibstil allerdings packt mich zunächst nicht.


Cover - Die Stadt der verbotenen Träume

 

Fakten zum Buch

Titel: Die Stadt der verbotenen Träume
Autor: Emmi Itäranta
Verlag: Arctis
Seiten: 400
ISBN: 978-3038800071
Ausgabe: Hardcover – 21,00€*

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Eliana ist eine starke Figur. Sie ist bis ins Detail ausgestaltet und trägt die gesamte Handlung. Leider plätschert diese für meine Begriffe jedoch relativ lang vor sich hin und so habe ich mehrere Kapitel gebraucht um überhaupt richtig im Buch zu versinken. Ich kann nicht benennen, ob es an einer eventuellen Eintönigkeit des beschriebenen Alltags oder aber am Schreibstil der Autorin lag. Den Stil Itärantas finde ich tatsächlich ziemlich gut und auch die Darstellung des Alltags einer Weberin im Haus der Spinnweben ist bis zu einem gewissen Grad unverzichtbar um als Leser das Gesellschaftsgefüge der Insel zu verstehen. Dennoch, der Funke sprang lang nicht über.

Langsam versiegt das Summen hinter uns und weicht einer Stille, die so dicht ist wie Trauer oder ein unausgesprochenes Lebewohl.
Zitat S. 14

Erst etwa ab Seite 170 nahm die Handlung langsam Fahrt auf. Sie bricht aus aus dem gewohnten Alltag, blickt hinter die Fassade und zeigt gleichermaßen Vorurteile wie Misstrauen und Gewalt. Das zuvor von der „guten“ Seite beschriebene Klassensystem offenbart plötzlich seine Schattenseiten. Gleichzeitig wird Eliana vor nicht unbeträchtliche Herausforderungen gestellt, mit denen ich als Leser zuvor nur bedingt gerechnet hätte. Zwar bleibt die Autorin hier im weitesten Sinne auf gewohnten Pfaden, doch Stil und Beschreibung der einzelnen Situationen sind gleichermaßen erschreckend detailliert wir distanziert.

Als ich zur Türöffnung komme, bewegt sich etwas hinter mir. Ich blicke mich um, sehe aber nur meinen Schatten, der mir folgt, an meinem Rücken hochklettert und sich um mich legt.
Zitat S. 212

Jetzt hatte sie mich. Das Buch war kaum aus der Hand zu legen und ich habe die letzten rund 200 Seiten in einem Rutsch gelesen. Es wurde plötzlich derart spannend und ging Schlag auf Schlag weiter, dass ich nicht anders konnte als mehr wissen zu wollen. Gleichzeitig faszinierte mich der Stil der Autorin immer mehr und auch wenn ich bisher kein anderes Buch von ihr kenne, werde ich wohl weitere lesen müssen – diesmal eben aufgrund der Autorin. Insgesamt kann „Die Stadt der verbotenen Träume“ also überzeugen, daher fällt die Wertung nicht ganz so schlecht aus wie auf den ersten Seiten befürchtet. Der rote Faden zieht sich gekonnt durchs Buch und mehr als einmal überraschen mich die Figuren. Lange Zeit dachte ich, wer gut und wer böse ist, dann plötzlich wurde ich unsicher und letztlich nochmals korrigiert. Es ist ein buntes Gefüge, das mich jetzt am Ende doch begeistern konnte. Dennoch gibt es etwas Abzug für den eher schlechten Start.

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