Jean-Paul Didierlaurent – wer kennt ihn nicht? Mit „Die Sehnsucht des Vorlesers“ hat er im Jahr 2015 ein Buch veröffentlicht, das viele Kritiker begeisterte. Mit „Der unerhörte Wunsch des Monsieur Dinsky“ ist nun sein nächster Roman erschienen. Natürlich musste ich ihn wieder lesen, denn auch diesmal versprach der Klappentext wieder ein Buch, das seinesgleichen sucht.

Ambroise Lanier, Ende zwanzig, hat seine Berufung gefunden: Er möchte dem Menschen seine Würde bewahren und arbeitet darum als ? Leichenpräparator. Auch Manelle Flandin liegt die Würde ihrer Mitmenschen am Herzen. Rührend kümmert sich die junge Angestellte eines ambulanten Pflegedienstes um Senioren. Vermutlich hätten sich die Wege der beiden nie gekreuzt, wäre da nicht Samuel Dinsky: Als der 82-Jährige eine niederschmetternde Diagnose erhält, will er eine letzte Reise unternehmen. Zusammen mit Manelle und Ambroise. Durch einen wundersamen Zufall wird es eine Reise zurück ins pralle Leben.

Ich gebe zu, ich bin etwas vorbelastet, was diesen Autor angeht. Ich fand „Die Sehnsucht des Vorlesers“ großartig und war umso gespannter, wie dieser Roman nun sein würde. Der Einstieg war dann auch wie erwartet – poetisch und packend. Schnell war ich von Geschichte und Figuren gefesselt.


Fakten zum Buch

Titel: Der unerhörte Wunsch des Monsieur Dinsky
Autor: Jean-Paul Didierlaurent
Verlag: dtv
Seiten: 256
ISBN: 978-3-423-26162-3
Ausgabe: Broschiert – 15,90€*
weitere Ausgaben: eBook – 13,99€*

Mehr zum Buch findet Ihr auf den Seiten des Verlags.


In „Der unerhörte Wunsch des Monsieur Dinsky“ gibt es gleich mehrere Hauptfiguren. Ambroise ist Thanatopraktiker und gehört als solcher wie er sagt zu den Unsichtbaren. Niemand kommt an ihnen vorbei und doch werden sie von nur äußerst wenigen wahrgenommen. Er bereitet die Verstorbenen für ihre Beerdigung vor. Sein Beruf verlangt daher nicht nur nach einem ruhigen Auftreten, sondern auch nach Sorgfalt und (wie ich vermute) einem abgehärteten Magen.

…, denn zuerst galt es, einen seriösen Eindruck zu vermitteln.
Und niemanden zu erschrecken. So unauffällig zu sein wie möglich. Wie ein Geist. Ein Geist in Anzug und Krawatte,…
Zitat S. 16/17

Manelle dagegen arbeitet in der Seniorenbetreuung. Sie unterstützt eine ganze Reihe von älteren Menschen in ihrem Alltag. Sie kocht, bügelt, putzt, geht einkaufen oder leistet eben auch nur Gesellschaft. Letzteres gehört eigentlich nicht zu ihrem Aufgabenfeld, dennoch legt sie Wert darauf ihre „Schützlinge“ nach deren Wünschen zu unterstützen.

Jeden Morgen wartete auf der Wachstuchdecke des Küchentischs ein kariertes Blatt Papier auf die junge Frau. Darauf standen die Arbeiten für den Tag.
Zitat S. 8

Beide Figuren sind in ihrem Ansatz sehr einfach. Gerade das macht sie aber so sympathisch. Gut, Ambroise Großmutter entspricht auch irgendwie einem Klischee. Potentielle Freundinnen werden von ihr danach bewertet, wie viel sie essen. Eine sympathische Eigenschaft, die mich direkt an meine Oma denken lässt. Mein Mann wird von ihr auch regelmäßig aufgefordert mehr zu essen 😉

Monsieur Dinsky ist lange Zeit eher unscheinbar und tritt erst in der zweiten Hälfte des Buches wirklich ins Rampenlicht. Ihn verbindet eine besondere Freundschaft mit Manelle, die ihm täglich durch ihre Anwesenheit eine kleine Freude bereitet. Natürlich gibt es auch schwierige Klienten für Manelle, doch Monsieur Dinsky ist auch für sie etwas besonderes. Als er dann mit seinem sehr ungewöhnlichen Wunsch an sie herantritt, ist sie zunächst schockiert und im nächsten Moment sauer. Gut ich bin mir nicht sicher, ob ich an ihrer Stelle anders reagiert hätte. In diese Situation kommt man nicht alle Tage und so schlägt wohl niemand freudestrahlend ein.

Auf Manelles täglicher Tour war Monsieur Dinsky eine wahre Erholung.

Mit seiner gleichbleibend guten Laune war er im Laufe der Monate zu viel mehr geworden als einem einfachen Kunden.
Zitat S. 31

Didierlaurents Schreibstil ist wieder einmal grandios. Die Kapitel für sich sind jeweils eine eigene kleine Geschichte. Zusammen werden sie dann jedoch erst richtig gut. Auch wenn die Intention aus dem Klappentext im Buch fast schon nebensächlich erscheint oder anders gesagt viel weniger Raum bekommt als erwartet, war ich nicht gelangweilt. Der Autor hat ein beeindruckendes Talent Personen und Alltäglichkeiten so interessant werden zu lassen, dass ich als Leser sein Buch einfach nicht zur Seite legen kann.

„Der unerhörte Wunsch des Monsieur Dinsky“ ist ein beeindruckender Roman über das Leben und seine Schwierigkeiten. Didierlaurent versteht es Verzweiflung wie auch Glück gleichsam poetisch darzustellen und den Leser durch seinen wundervollen Schreibstil zu begeistern. Wer von euch noch keines seiner Bücher kennt, sollte das unbedingt schnell ändern. Didierlaurent gehört für mich zu den Autoren, die man heute in jedem Fall kennen und gelesen haben sollte.

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